Meine Familie

Wenn man Politik lange macht, so wie ich mit allein zwölf Jahren in Regierungsverantwortung, läuft man Gefahr sich ein Stück vom normalen Leben zu entfremden. Ich denke, das ist bei mir weniger als bei anderen der Fall. Und das hängt mit Sicherheit mit meiner Frau und meinen drei Söhnen zusammen. Sie bedeuten für mich Erdung.

„Ab dem Moment, als mein erster Sohn geboren wurde, hat sich mein Leben verändert und zwar fundamental. Das kann man gar nicht theoretisieren. Das findet dann statt.“

Familienleben

Ralf Stegner mit Frau Sibylle_Foto: Olaf Bathke
Ralf Stegner mit Frau Sibylle

Meine Frau und ich sind schon sehr lange zusammen – inzwischen sind wir seit über 30 Jahren verheiratet. Ich habe viel von ihr gelernt. Wir ergänzen uns, denn wir sind sehr unterschiedlich: Von den Temperamenten und von den Einstellungen.

Und dann unsere drei Söhne: In dem Moment, in dem mein erster Sohn geboren wurde, hat sich mein Leben verändert und zwar fundamental.Das kann man gar nicht theoretisieren. Das findet dann statt. Das verändert das Leben für immer. Und dann waren es ja bei uns schnell drei Kinder.

Ich kann mich entsinnen in der Anfangszeit, SPD-Wahlkampfzeitungen verteilend mit dem Kinderwagen unterwegs, darin drei Windelkinder. Unterwegs um 6:00 Uhr morgens in Kiel Hassee. Aber schon damals war das Private nicht ganz politisch – und anders herum das Politische nie ganz privat. Meine Jungs kennen es aber auch nicht anders. Mein Ältester war fünf, als ich Regierungsmitglied wurde, heute ist er längst volljährig. Insofern: Ein richtiges Privatleben jenseits der Politik kennen meine Kinder nicht.

Abgesehen von meinen Tages- und Zeitabläufen sind wir aber auch eine ganz normale Familie mit einem ganz normalen Geschmack und ganz normalen Vorlieben. Aber manchen Dingen kann man sich als Politiker nicht entziehen. Das ist schwer zu beschreiben: Manche Politiker haben ja das Gefühl oder gar das Bedürfnis von Highsociety-Zugehörigkeit – ich habe das nicht. Ich würde jeden Nachmittag mit normalen Menschen auf einem Fußballplatz einem eleganten Empfang vorziehen. Ich würde jede lebhafte Diskussion am Gartenzaun mit Menschen, die vielleicht auch gar nicht meiner Meinung sind, dem vorziehen.

Erziehung

Ralf Stegner mit Frau Sibylle_Foto: Olaf Bathke

Meine Eltern sind sehr autoritär erzogen worden und ich – das muss ich leider sagen – bin das auch. Daraus habe ich sicher Konsequenzen gezogen, was den Umgang mit meinen eigenen Kindern angeht. Da gibt es sicher auch vieles, was man im Idealfall anders machen könnte oder sollte. Aber: Ich habe tatsächlich erfahren, dass man etwas verändern kann.

Erziehung ist aber nicht einseitig. Ich lerne wirklich viel von meinen Söhnen. Ich bin ja zum Beispiel, was moderne Technik angeht, buchstäblich Analphabet. Meine Söhne bewegen sich da wie Fische im Wasser, das hat schon was Faszinierendes. Die Leidenschaft für Fußball teilen wir, unsere Musikgeschmäcker sind sehr verschieden -aber auch da lernt man etwas hinzu.

Freundschaft

Ralf Stegner_Foto: Olaf Bathke

Freundschaft ist bei meinem Beruf etwas, was extrem viel Geduld für extrem wenig Zeit verlangt. Aber Freundschaften sind deshalb umso wichtiger. Sie sind für mich unabhängig von oberflächlichen Dingen. Freundschaft heißt schon sehr starke Verlässlichkeit. Und Charakterstärke. Freundschaft erweist sich meist in schwierigen Zeiten. Ich bin froh Freunde zu haben, auf die ich zählen kann.